Die Geschichte der Blue Gold Stars

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Die Blue Gold Stars

Von der Abteilungsgründung 2002 bis zum Neustart 2011

Zur Landesgartenschau Baden-Württemberg, die im Jahre 1992 in Pforzheim stattfand, sollte eine Halle gebaut werden, die Platz für die verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Gartenschau bot. Da es zu dieser Zeit in Pforzheim keine Möglichkeit gab Eissport zu betrei­ben, wurde die Halle auf Beschluss des damaligen Gemeinderates als Eissporthalle konzipiert.  Mit dem TV 1834 Pforzheim konnte ein Ver­ein gefunden werden, der sich bereit erklärte, eine Eishockeyabteilung zu gründen. Diese trat in der Saison 1992 – 1993 in den Spiel­betrieb des Eissportverban­des Baden-Würt­temberg ein. Schnell wurde neben einer Li­gamannschaft auch eine Nachwuchsabtei­lung gegründet. Ziel der da­maligen Abtei­lungsleitung war es, in Pforzheim Eishockey auf möglichst hohem Niveau zu spielen, ein Vorhaben, das sich nur mit auswärtigen Spielern realisieren ließ. Bald war klar, dass dieses Konzept auf Dauer nicht zu finanzie­ren war. Prompt kam es im Jahre 1999 zur Zahlungsunfähigkeit und Auflösung der Eishockeyab­teilung des TV 1834.

Einigen wenigen Jugendspielern und ihren Eltern ist es zu verdanken, dass die Nachwuchsab­teilung in einer Kooperation mit dem ESC Bad Liebenzell erhalten werden konnte. In Pforzheim gab es nun für zwei Jahre eine Eishockey-Jugend­mannschaft, die eigentlich keinem Verein angehörte. Der damalige Geschäftsführer des TV 1834 hat die Verwaltungsaufgaben übernommen, über den ESC Bad Liebenzell wurde die Mannschaft zum Spielbetrieb angemeldet. So konnte für die Jugend der Spielbetrieb bis 2001 aufrecht erhalten bleiben. Nach dieser Saison waren einige der Spieler dem Jugendalter entwachsen und es musste ein neuer Weg gefunden werden, damit diese weiterhin ihren Sport ausüben konnten.

Nach intensiven Gesprächen mit der Stadt Pforzheim wurde klar, dass ein Neuanfang nur als Abteilung eines etablierten örtlichen Traditionsvereins die notwendige Unterstützung aus dem Rathaus erfahren würde. Schwierige Verhandlungen mit mehreren Vereinen folgten, der Scha­den, den die Verantwortlichen der gescheiterten Eishockeyabteilung hinterlassen hatten, war immens. Trotzdem erklärte sich schließlich der VfR Pforzheim unter vielen Vorbehalten bereit, einen auf ein Jahr befristeten Versuch mit einer Eishockeyabteilung zu starten. Am Freitag, 12. Juli 2002 fand schließlich in der Vereinsgaststätte auf dem Holzhof die Gründungsversammlung der neuen Eishockeyabteilung des VfR Pforzheim statt.

Am 21. September desselben Jahres folgte der feierliche Start im Rahmen eines Benefiztur­niers zu­gunsten der Kinderklinik Schömberg, unter Mitwir­kung der Aktion „Menschen in Not“ der Pforzheimer Zeitung. Als Gastmannschaften waren die Altstar-Teams der Mannheimer Adler und der Schwenninger Wildwings in die Goldstadt gekommen. Danach be­gann das Abenteuer Landesliga. Mit dem Mann­schaftskader, der hauptsächlich aus jungen, unerfah­renen Nachwuchsspielern bestand, wurde man zur Schießbude der Liga. Trotz der meist zweistelligen Niederlagen spielte das Team mit großer Begeiste­rung und mit einem riesigen Herz für den Eishockeysport. Auftrieb gab die Gewissheit: Es kann nur besser werden!

Trotz dieser Startschwierigkeiten hat sich die Führung der Eishockeyabteilung immer an die selbst auferlegte Devise gehalten und ist den Weg der kleinen Schritte gegangen. Man war sich einig, immer nur das zu tun, was die Abteilung auch aus eigener Kraft finanzieren konnte. Bis zum heutigen Tag hat die Eishockeyabteilung des VfR Pforzheim keinen Cent Schulden ge­macht!  Lieber ein Jahr länger in der untersten Liga bleiben als mit teuer eingekauften Spie­lern aufzusteigen. Auf einem Fundament aus Verlässlichkeit und Ehrlichkeit und mit viel ehren­amtlichem Engagement würde sich der Erfolg schon früher oder später einstellen.

Wichtig war den Verantwortlichen von Anfang an eine gute Pressearbeit. Auch nach den schlechtesten Spielen und den schlimmsten Niederlagen, Hauptsache die Zeitungen berichte­ten ausführlich und möglichst mit Bild. So kam das Team des VfR auch zu seinem Namen „Blue Gold Stars“. Das ist das Ergebnis eines Na­menswettbewerbs, den die Pforzheimer Zeitung 2004 in Zusammenarbeit mit dem VfR ausge­schrieben hatte. Unter mehr als 100 verschie­denen Vorschlägen hat eine Jury schließlich den Namen „Blue Gold Stars“ ausgesucht.

Nach einigen Höhen und Tiefen reifte im Laufe der Saison 2008 – 2009 der Entschluss, den Aufstieg in die Regionalliga Südwest in Angriff nehmen zu wollen. Die Blue Gold Stars hatten einen neuen Trainer, ein engagiertes Team auf und neben dem Eis, wachsende Zuschauer­zahlen und eine immer bessere Presse. Die Mannschaft belegte hinter Stuttgart den zweiten Tabellenplatz. Bis zum Jahresbeginn 2009 schien alles bestens zu laufen, als plötzlich mehrere Heimspiele des VfR Pforzheim in Folge von den jeweiligen Spielgeg­nern abgesagt wurden. So kam man unver­schuldet in die Situation, dass man gegen­über seinen Fans und Sponsoren, aber auch seinen eigenen Spielern, nicht mehr die zu­gesagten Leistungen erbringen konnte. Die­ses Risiko ist in der nächst höheren Liga sehr viel geringer. Außerdem bietet die Regi­onalliga Eishockeysport auf deutlich höherem Niveau. Alle, Spieler, Fans, Sponsoren oder auch Mitarbeiter am Rande haben sich nach 7 Jahren Lan­desliga den Aufstieg verdient.

Ein weiterer Grund für das Bestreben in die Regionalliga aufzusteigen, war der Aufbau einer Nachwuchsabteilung. Diese nahm langsam ebenfalls konkrete Formen an. In der Saison 2009 – 2010 konnten die Blue Gold Stars erstmals eine Bambini-Mannschaft für den offiziellen Ligabetrieb des Eissportverbandes stellen. Um das bewerkstelligen zu können, ging man eine Kooperation mit dem SC Bietigheim ein. Die gemeinsame Mannschaft spielte sehr erfolgreich, die Kinder genossen eine gute Grundausbildung. Das alles machte Hoffnung auf eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit beider Vereine. Außerdem spielten die „Großen“ in der „BNL, Badische Nachwuchsliga“, einer Kombirunde, in der verschiedene Altersklassen in einer Mannschaft gegeneinander antreten. In dieser Liga konnte das Team um Trainer Sven Hämmerle in dieser Saison den zweiten Tabellenplatz erzielen. Erklärtes Ziel der Blue Gold Stars ist es, mittelfristig die Spieler für den Ligabetrieb aus der eigenen Jugendarbeit rekrutieren zu können. Alles andere lässt sich dauerhaft nicht finanzieren!

Die Saisonziele 2009 – 2010 wurden erreicht, der Aufstieg in die Regionalliga Südwest war ge­schafft, die Nachwuchsmannschaften waren in ihren jeweiligen Ligen überaus erfolgreich. Es war Zeit, an die Zukunft zu denken. Hier zeichnete sich durch die bereits erprobte Kooperation mit dem SC Bietig­heim eine sehr viel verspre­chende Per­spektive ab. Sowohl die Senioren- als auch die Nachwuchsmannschaften des VfR Pforzheim hätten davon profitieren können. Aller­dings wäre das alles nicht zum Nulltarif zu haben gewesen

In dieser Situation versetzte der Gemeinderat der Stadt Pforzheim der Eishockeyabteilung des VfR Pforzheim einen herben Schlag. Durch die komplette Streichung der städti­schen Zuschüsse für den Erwachsenensport sollte der Eigenanteil an der Eishallenmiete um 23.000.- € erhöht werden. Das bedeutete eine Mehrbelastung, welche die Eishockeyabteilung nicht hätte erbringen können, zumal durch den Aufstieg in die Regionalliga höhere Kosten für den Trainings- und Spielbetrieb der Ligamannschaft zu erwarten waren. Als Konsequenz aus diesem unüberlegten und falschen Gemeinderatsbeschluss sahen sich die Verantwortlichen gezwungen, die 1. Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden. Das war umso bedauerlicher, da im Sommer 2010 die lange ersehnte Fusion des VfR Pforzheim und des 1.FC Pforzheim zum neuen 1. CfR Pforzheim endlich vollzogen werden konnte. Mit der Euphorie des Aufstiegs und der positiven Stimmung nach der Fusion wäre vieles möglich gewesen!

Selbstverständlich haben die Abteilungsleitung wie auch die Vorstandschaft des 1.CfR Pforzheim alles versucht, diesen Schritt abzuwenden. Ein gangbarer Kompromissvorschlag kam aber erst viel zu spät, als es nicht mehr realistisch war, eine schlagkräftige Mannschaft stellen zu können. Erst durch die Gründung eines Sprecherkreises, an dem sich Vertreter von mehr als 40 betroffenen Sportvereinen beteiligen, gelang es, die Stadt zum Umdenken zu bewegen. Im Juli 2011 beschloss schließlich der Gemeinderat, die Zuschusskürzungen weitestgehend zurück zu nehmen. Einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs bei den Senioren steht damit nichts mehr im Wege. Allerdings wurde die Mannschaft aufgrund des Verzichts auf den Spielbetrieb in der Saison 2010 – 2011 auf den letzten Tabellenplatz gesetzt und gilt damit als abgestiegen. Ein Neuanfang kann damit nur in der Landesliga stattfinden.

Der Schaden, welcher der Eishockeyabtei­lung durch die unüberlegte politische Ent­scheidung der Stadt Pforzheim entstanden ist, ist enorm. Trotzdem richten wir unseren Blick nach vorne. Mit der Verpflichtung des Kanadiers Ken Filbey als Trainer der Senio­renmannschaft ist ein erster großer Schritt getan. Wir sind nun dabei eine schlagkräf­tige Mannschaft zusammenzustellen, mit dem Ziel, den erneuten Aufstieg in die Re­gionalliga Südwest so schnell als möglich zu realisieren. Gleichzeitig arbeiten wir in­tensiv am Ausbau der Nachwuchsarbeit. Hier werden wir nicht nur die Kleinstschülermann­schaft an den Start schicken, die ja in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem SC Bietigheim-Bissingen schon sehr erfolgreich gespielt hat, sondern außerdem in Kooperation mit dem ESC Bad Liebenzell je eine Schüler- und eine Jugendmannschaft zur offiziellen Runde im Eissport­verband Baden-Württemberg anmelden. Die bewährte Kombirunde „BNL“ bleibt natür­lich ebenfalls erhalten, sodass jeder Jugendliche entsprechend seines Alters und seiner Fähig­keiten am Spielbetrieb teilnehmen kann.

Das alles verursacht natürlich nicht unerhebliche Kosten. Trotz der Rücknahme der Zuschusskürzungen bleibt ein hoher Eigenanteil an den Eiskosten zu bezahlen, Trikots mit dem neuen Vereinsnamen müssen angeschafft werden, Trainer, Schiedsrichter oder Sanitäter wollen bezahlt werden. Das sind Kosten, die bezahlt werden müssen. Dazu kommen Leistungen, die nach der Philosophie der Eishockeyabteilung erbracht werden sollten: Leihausrüstung für Kinder und Jugendliche muss ergänzt werden, die Fahrtkosten zu Auswärtsspielen z.B. nach Ravensburg oder Zweibrücken sollten bezuschusst werden, bei Kindern aus sozial schwachen Familien sollte ein Entgegenkommen beim Mitgliedsbeitrag und den anfallenden Kosten möglich sein, gesellschaftliche oder kameradschaftliche Veranstaltungen wie z.B. Weihnachtsfeier gehören ebenso zum Sport wie ggf. eine Meisterfeier oder ähnliches.

Die Eishockeyabteilung des 1.CfR Pforzheim wird auch weiterhin an ihren Grundsätzen, wie keine Schulden zu machen oder alle verfügbare Energie für den Aufbau einer Nachwuchsabteilung zu verwenden festhalten. Die Ziele, die man sich gesteckt hat, sind aber nur mit der Unterstützung vieler zu erreichen. Dazu zählen die vielen ehrenamtlichen Helfer, die unermüdlich dafür sor­gen, dass Eishockey gespielt werden kann, die Fans, die auch in schlechten Zeiten immer zu den Spielen in die Eishalle kommen und ihr Team unterstützen, die Sponsoren, die mit ihren Geldzuwendungen den Spielbetrieb erst möglich machen, die regionale Presse, die durch ihre wöchentliche Berichter­stattung den Sport und seine Sponsoren zu den Le­sern bringt, nicht zu verges­sen, die Spieler und Trainer der Nachwuchs- und Seniorenmannschaften, die durch ihren Einsatz und ihre Emotionen das Erleb­nis Eishockey in Pforzheim ermöglichen.